Der Abriss des städtebaulichen Denkmals Block 1 in Hagen Wehringhausen wäre ein Skandal überregionalen Ausmaßes

Gemeinsam mit Prof. Wolfgang Sonne, der bereits im Februar 2019 mit seinem wissenschaftlichen Gutachten die Denkmalschutzwürdigkeit des Block 1 belegt, kommt auch Stadtbaurat a.D. Johann Dieckmann im Rahmen seiner neuesten Archiv- und Bauaktenrecherche zu dem Ergebnis: Block 1 und 2 in Hagen Wehringhausen sind ein städtebauliches Denkmal und frühe Repräsentanten der Reformarchitektur im sozialen Wohnungsbau von überregionaler Bedeutung.

Block 1 und 2 wurden ab dem Jahr 1899 nach einem Gesamtentwurf des Architekten Claus Hilker errichtet und befanden sich seit Baubeginn im Besitz nur eines Eigentümers, nämlich der im Jahre 1898 gegründeten Wohnungsbaugenossenschaft Spar- und Bauverein, deren Rechtsnachfolger und heutiger Eigentümer die Gemeinnützige Wohnstättengenossenschaft Hagen e.G. (GWG) ist. Wegen des Baubeginns im Jahre 1899 müssen die Planungsvorbereitungen sogar noch deutlich früher erfolgt sein (siehe Gutachten Wolfgang Sonne).

Claus Hilkers Gesamtentwurf sah von Beginn an einen parkartigen Gartenhof zur gemeinsamen Nutzung vor, der über die Treppenhäuser erreicht werden kann. Dies ist, zusammen mit der Blockbebauung eines der wesentlichen Merkmale der Reformarchitektur. Die Wohnungsgrundrisse entsprechen den damaligen Wohnvorstellungen des Reformwohnbaus, in den Eckgebäuden wurden Läden oder Gastwirtschaften geplant (siehe Vermerk Johann Dieckmann).

Entgegen der heute kursierenden Behauptungen lässt sich feststellen, dass die Häuser erhaltenswert sind und modernisiert werden können. Ähnliche Gebäude gleichen Alters und Struktur lassen sich zu moderaten Kosten sanieren und in Hagen Wehringhausen zu Mietpreisen zwischen 5 und 6 Euro pro Quadratmeter vermieten. Die Stadt Hagen kauft derzeit mit dem WBH (Wirtschaftsbetrieb Hagen) und der HEG (Hagener Erschließungs- und Entwicklungsgesellschaft) ähnliche Gebäude auf und geht wie beschrieben vor.

Neben den beschriebenen Erwägungen zu Geschichte und Denkmalschutz ist auf die städtebaulichen Perspektiven und Ziele hinzuweisen. Im Rahmen des durch Mittel des Bundes und der Länder geförderten Projekts Soziale Stadt Hagen Wehringhausen wurde ein umfassender Entwicklungsplan erarbeitet, dessen Kernbestandteil aus guten Gründen der Erhalt identitätsstiftender Bausubstanz im Quartier ist. Im Projekt Soziale Stadt geht es grundsätzlich darum, Bürger und Betroffene an Entwicklungsmaßnahmen zu beteiligen und Identifikation mit dem Stadtteil sowie soziales Engagement zu fördern. Was, wenn nicht der Erhalt so wesentlicher historischer Bausubstanz wie der des Block 1, und die gewissenhafte und umfassende Erarbeitung von Nutzungskonzepten mit Bürgerbeteiligung, ist in diesem Sinne identitätsstiftend?

Bereits in der bundesweiten Programmstrategie zur Sozialen Stadt ist das Ziel, charakteristische städtebauliche Eigenheiten unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes zu erhalten frühzeitig gesetzt. In der Fortschreibung auf NRW Landesebene im Rahmen der Förderrichtlinien Soziale Stadt 2008, wird dem Erhalt identitätsstiftender Bausubstanz und der Bürgerbeteiligung ebenfalls hohe Priorität eingeräumt. Das auf dieser Basis in Hagen erarbeitete Integrierte Handlungskonzept für den Stadtteil Hagen Wehringhausen sieht ebenso deutlich den Wert der Gründerzeitarchitektur für das Quartier. Diese für den erfolgreichen Stadtentwicklungsprozess wichtigen Grundlagen dürfen nicht einfach ignoriert werden. Im Gegenteil, das aktuelle Handeln und die Abrissvorbereitungen am Block 1 stehen offensichtlich im Widerspruch mit den bundesweit formulierten Zielen der Sozialen Stadt und der damit verbundenen Förderung.

Die aktuellen Abrisspläne sind dabei keineswegs alternativlos. Weitere Untersuchungen und Begutachtungen durch Experten, Konzept- und Planungsarbeiten und sogar die Förderung des Eigentumserwerbs am Block 1 durch die Stadt, wären im Rahmen des Programms Soziale Stadt möglicherweise förderungsfähig. Mit diesen, im Rahmen der Förderrichtlinien Soziale Stadt erlassen, vielfältigen Entwicklungsmöglichkeiten und den neuesten Erkenntnissen zum Denkmalschutz, hätte die Entwicklung des Block 1 sogar das Potential, als eine für die Quartiersentwicklung zentrale Einzelmaßnahme gefördert zu werden. (siehe Förderrichtlinien Soziale Stadt 2008)

Es ist inakzeptabel, dass sowohl die eigentlichen Ziele des Projekts Soziale Stadt, als auch die Erkenntnisse um den denkmalhistorischen Wert des Block 1 und 2 ignoriert werden. Der Block 1 muss, zusammen mit Block 2 und der Eicken Siedlung, als städtebauliches Denkmal und wichtiges Element des gründerzeitlichen Profils und der Geschichte der Stadt Hagen erhalten werden. Als städtebauliches Denkmal hat Block 1 im Reformblockensemble das Potential, überregionale Strahlkraft zu entwickeln. Im Umkehrschluss wäre sein Abriss vor diesem Hintergrund ein Skandal überregionalen Ausmaßes.

Matthias Nolte
für #BlockIsBeautiful

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